Optionsschein-Einsteiger-Seminar
Aktuelles Thema: Anlage-Strategien

Aktiensubstitution: Den Aktienkauf vorübergehend ersetzen

Angenommen, Sie möchten Aktien eines bestimmten Unternehmens kaufen, dessen zukünftige Geschäftsperspektiven Sie als besonders viel versprechend erachten. Leider haben Sie aber momentan nur wenig Kapitel zur Verfügung. Einen Kredit möchten Sie auch nicht aufnehmen, da Ihnen dies zu riskant erscheint. Was tun?

Eine Möglichkeit besteht im Kauf eines Call-Optionsscheins auf die entsprechende Aktie. Hiermit erwerben Sie das Recht, in der Zukunft eine bestimmte Anzahl dieser Aktien zu einem festgelegten Preis (Basispreis) zu erwerben. Wenn Sie nun bis zum Ende der Laufzeit das benötigte Kapital beisammen haben, können Sie die Aktien zum Basispreis des Call-Optionsscheins erwerben. Mit anfänglich weniger Kapital kommen Sie dann zu fast demselben Ergebnis, das Sie auch mit einem sofortigen Aktienkauf erzielt hätten. Mit Hilfe des Call-Optionsscheins haben Sie also den Aktienkauf ersetzt bzw. substituiert. Allerdings nur beinahe, denn es gilt den Zeitwertverlust des Optionsscheins zu berücksichtigen. Dieser stellt sozusagen eine Prämie dar, die Sie für Ihr Recht zahlen müssen, die Aktien später zu den vereinbarten Konditionen kaufen zu dürfen.

Verdeutlichen wir uns die Strategie der Aktiensubstitution anhand eines Beispiels: Frau Reich und Herr Klamm haben ähnlich optimistische Ansichten über die Zukunftsperspektiven der Aufwärts AG und wollen beide 100 Aktien erwerben. Der derzeitige Kurs der Aufwärts AG-Aktie liegt bei 100 EUR. Frau Reich, die sehr vermögend ist, kauft sofort 100 Aktien im Gesamtwert von 10.000 EUR. Herr Klamm, nicht gerade gut bei Kasse, kann die Gesamtsumme von 10.000 EUR nicht komplett aufbringen. Er kauft deshalb 1.000 Call-Optionscheine mit Bezugsverhältnis 10:1, Basispreis 100 EUR und einem halben Jahr Laufzeit für 1 EUR das Stück. Herr Klamm zahlt also 1.000 EUR für das Recht, 100 Aktien der Aufwärts AG zu 100 EUR pro Stück innerhalb des nächsten halben Jahres zu erwerben.

Das halbe Jahr zieht ins Land und Herr Klamm kann das benötigte Kapital aufbringen, um am Ende der Laufzeit die von ihm gewünschten Aktien für 10.000 EUR zu erwerben. Die Aktien der Aufwärts-AG werden dank einer erfreulichen Geschäftsentwicklung des Unternehmens jetzt schon mit 150 EUR pro Stück an der Börse gehandelt. Sowohl Frau Reich als auch Herr Klamm besitzen nun also 100 Aktien der Aufwärts AG im Wert von 15.000 EUR.


Sie sehen: Frau Reich hat für ihre Aktien vor einem halben Jahr 10.000 EUR zahlen müssen. Herr Klamm hingegen zahlte damals 1.000 EUR für den Call-Optionsschein und muss jetzt noch einmal 10.000 EUR für den Erwerb der Aktien zahlen, insgesamt also 11.000 EUR. Das ist aber immer noch besser, als die Aktien gar nicht oder nur 10 Stück für 1.000 EUR gekauft zu haben, denn dann hätte Herr Klamm gar keine bzw. nur 1.000 EUR Rendite erzielt. So konnte er (15.000 - 11.000 =) 4.000 EUR Gewinn machen. Zu berücksichtigen ist allerdings, dass diese Rechnung nur aufgeht, wenn die Aktie der Aufwärts-AG mindestens auf 110 EUR steigt. Anderenfalls würde Herr Klamm mit dieser Strategie keinen Gewinn erzielen.


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