Optionsschein-Einsteiger-Seminar
Aktuelles Thema: Das Risiko

Totalverlustrisiko: Wann wird ein Schein wertlos?

Bei Aktien ist das Risiko, seinen gesamten Anlagebetrag zu verlieren, auf den Fall des Konkurses der jeweiligen Aktiengesellschaft beschränkt. Das ist in der Regel äußerst selten. Bei Optionsscheinen sieht die Sache leider etwas anders aus...

Sie haben bereits erfahren, dass der Handel mit Optionsscheinen besondere Risiken birgt. Zu den wichtigsten zählen das Risiko des Zeitwertverlustes und das Risiko der Hebelwirkung. Während sich das Risiko des Zeitwertverlustes auf den Zeitwert eines Optionsscheins bezieht, ist sein Innerer Wert vom Risiko des Hebeleffektes betroffen. Entscheidend ist nun, dass durch das Zusammenwirken dieser beiden Risiken auch das Risiko des Totalverlustes wesentlich höher ausfällt als bei vielen anderen Wertpapieren. Sind nämlich sowohl der Innere Wert als auch der Zeitwert eines Optionsscheins gleich Null, so ist der Optionsschein wertlos. Wann kann dieser Fall eintreten?

Nun, der Innere Wert eines Optionsscheins hängt von seinem Basispreis und vom aktuellen Kurs des Basiswertes ab. Er kann zu jedem Zeitpunkt der Laufzeit größer Null (Optionsschein im Geld) oder genau Null (Optionsschein am Geld oder aus dem Geld) sein. Negativ kann der Innere Wert nicht werden, da ein Optionsschein lediglich ein Recht darstellt, das man im schlimmsten Fall wertlos verfallen lassen kann. Der Zeitwert eines Optionsscheins hängt dagegen von der Restlaufzeit des Optionsscheins, der Volatilität des zugrunde liegenden Basiswertes und dem Zinsniveau ab. Er nimmt mit sinkender Restlaufzeit ab, bis er am Verfallstermin Null beträgt.

Sie sehen: Der Eintritt des Totalverlustes am Verfallstermin ist gar nicht so unwahrscheinlich, da zu diesem Zeitpunkt der Zeitwert immer gleich 0 ist. Hat der Optionsschein dann auch keinen Inneren Wert mehr, ist Ihr eingesetztes Kapital vollständig verloren - Sie erleiden Totalverlust.

Je nachdem, wie weit ein Schein aus dem Geld bzw. im Geld notiert, ändert sich auch das Verhältnis von Ausübungs- und Totalverlustwahrscheinlichkeit. In der folgenden Simulation können Sie sehr gut erkennen, dass, je weiter ein Schein aus dem Geld ist, ein Totalverlust immer wahrscheinlicher wird. Den Ausgangspunkt bildet jeweils ein Call und ein Put mit einem Basispreis von 100 Euro.


Aber Vorsicht! Dass der Optionsschein erst zum Verfallstermin vollkommen wertlos werden kann, heißt nicht, dass nicht schon vorher eine Quasi-Wertlosigkeit auftreten kann. Wenn ein Optionsschein mit geringer Laufzeit sehr weit aus dem Geld ist, kann der Wert dieses Scheins so gering werden, dass sich ein Verkauf nicht mehr lohnt. Sind die bei einem Verkauf anfallenden Transaktionskosten höher als der daraus resultierende Erlös, kommt dies einem Totalverlust gleich, auch wenn der Optionsschein noch einen theoretischen Wert besitzt. Schauen Sie doch einfach mal in Kurstabellen nach und zählen die Optionsscheine, die nur noch einen Wert von wenigen Cent haben. Sie werden überrascht sein.

Ein weiteres, wenn auch sehr geringes Risiko, das in Optionsscheine investierte Kapital vollständig zu verlieren, ist das sogenannte Emittentenrisiko. Der Emittent - auch Stillhalter genannt - verpflichtet sich nämlich zum Rückkauf und garantiert die Ausübung der von ihm emittierten Optionsscheine. Wird er insolvent, droht den von ihm emittierten Scheinen der Totalverlust, dies ist bei einem Emittenten guter Bonität aber äußerst unwahrscheinlich.

Sie werden gemerkt haben, dass ein Investment in Optionsscheine nichts für Leute mit schwachen Nerven ist. Den großen Chancen stehen hohe Risiken gegenüber.


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