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Optionsscheine-Crashkurs: Gebote 7 und 8

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mit Gebot 9 und 10

7. Irrtum: Optisch billige OS sind günstiger!?

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Wenn man als Neuling einen Schein sieht, der nur wenige cent kostet, dann denkt man sich oft: "Toll, wenn der nur auf einen Euro steigt, mache ich ja 2000% Gewinn!" Aber überlegen Sie sich doch erst einmal, warum der Schein so billig ist! Nur weil die meisten Optionsscheine im Bereich zwischen einem halben Euro und 10 Euro stehen, heißt das doch nicht, daß dieser Schein solche Kurse bestimmt auch einmal erreicht! Könnte es sein, daß der Schein leicht aus dem Geld und die Restlaufzeit extrem kurz ist? Könnte es sein, daß trotz längerer Restlaufzeit der Basispreis des Scheins hoffnungslos weit vom aktuellen Kurs entfernt ist? In beiden Fällen ist die Wahrscheinlichkeit, daß der Optionsschein am Laufzeitende einen inneren Wert hat, sehr gering, und deshalb besitzt der schein auch einen so niedrigen nominalen Wert - eben weil er praktisch nichts wert ist! Auch ein Anstieg des Basiswerts um ein paar Prozent ändert daran meist nichts, deshalb rührt sich der Optionsscheinkurs auch trotz Veränderungen beim Basiswert oft nicht vom Fleck.
"Der ist so billig, tiefer kann der eigentlich gar nicht mehr fallen..." Haben Sie sich das nicht auch schon mal gedacht bei einem Schein, der nur wenige cent kostet? Das ist natürlich Unsinn.

Jeder Optionsscheinkurs kann den Wert null annehmen,

...auch wenn der Emittent ihn meist zu EUR 0,01, oft aber auch nur für EUR 0,001 zurückkauft. Wenn Sie einen Totalverlust erleiden, so ist es egal, ob Sie den Schein bei EUR 5,00 oder EUR 0,05 gekauft haben. Sie verlieren in jedem Fall 100% ihres eingesetzten Kapitals!

7. Gebot: Finger weg von Warrants unter 10 Cents, denn 100 Prozent Verlust sind 100 Prozent Verlust!


8. Irrtum: Der Spread ist Nebensache!?
Ein weiteres Problem wird oft übersehen: Bei einem solchen Schein finden in der Regel kaum Börsenumsätze statt, Sie kaufen also zum Briefkurs des Emittenten. Steht ein Schein bei EUR 0,01Geld/0,03Brief, dann kaufen Sie den Schein nicht für EUR 0,01, sondern für EUR 0,03. Das heißt, der Optionsschein-Geldkurs muß erst einmal um 200 Prozent steigen, damit sie verlustfrei zum neuen Geldkurs verkaufen können! Und 200 Prozent sind selbst bei hoher Hebelwirkung (die bei solchen Scheinen ohnehin in der Regel nicht greift) ziemlich viel.

Und noch eine Falle droht bei solchen "penny-warrants"

Überlegen Sie sich einmal, wieviel Geld Sie investieren wollen. 1.000 Euro? 2.000 Euro? Und nun rechnen Sie sich aus, welche Stückzahl des Optionsscheins Sie dafür bekommen. Die angegebenen Emittentenkurse des Optionsscheins gelten aber nur für eine bestimmte Höchststückzahl, meist etwa 5.000 bis 10.000, manchmal auch nur 1.000 Stück. Bei höheren Stückzahlen wird meist der Spread, also die Differenz zwischen Geld- und Briefkurs, massiv ausgeweitet, so daß die Kurssteigerung des Scheins noch um ein Vielfaches größer sein muß, um verlustfrei verkaufen zu können! Stellen Sie sich vor, der neue Kurs des Scheins ist nicht mehr EUR 0,01Geld/0,03Brief, sondern EUR 0,01Geld/0,06Brief! Der Emittent macht dies nicht aus bösem Willen, sondern weil er die offene Position ja auch absichern muß. Wenn Sie 100.000 oder 500.000 Stück von einem Call-Schein kaufen, muß der Emittent, wenn er sich absichern will, eine exorbitant hohe Menge des Basiswerts an der Börse kaufen, und das kann im Extremfall selbst bei liquiden Aktien schwierig werden, da er durch seine Nachfrage den Kurs der Aktie selbst in die Höhe treibt. Daher ist er gezwungen, den Spread auszuweiten.

Die genannten Fehler zum Thema "Optisch billige Scheine" lassen sich durch die Beachtung einer sehr einfachen Grundregel vermeiden, die generelle Gültigkeit hat und die Sie sich zu eigen machen sollten: Kaufen Sie keine Scheine mit einem Delta von weniger als 0,3. Das Delta kann, wie auch in Teil 8 angesprochen, in gewissen Grenzen als "Ausübungswahrscheinlichkeit" interpretiert werden. Liegt diese bei weniger als 30%, reagiert der Optionsschein oft nicht mehr oder sehr unberechenbar auf Änderungen des Basiswerts. Änderungen der impliziten Volatilität haben starke, aber eben nicht vorhersehbare Kurssprünge nach oben wie nach unten zur Folge.

8. Gebot: Großen Spread zwischen Kauf- und Verkaufkurs bei vielen Scheinen erkennen und Delta unter 0,3 meiden!

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